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Bilder - Stadtleben

In den Bildern Stadtleben, Moskau und Berlin suche ich nicht nur die Verbindung von bewegter Figur und statischer Architektur. Sondern hauptsächlich ihre Eigenheit und Besonderheit. Des Orts, der Leute, der Nationalität. Ihre Gegenwart und Vergangenheit.



Moskauer Splitter

Moskau 2009

Ausstellen und Zeichnen in Moskau
Kam Ihnen schon mal in den Sinn, in Moskau im Zentralhaus der Künste eine Ausstellung zu haben? Mir nicht! Aber Bohumil Fiala fädelte es ein. Damit erhielt ich die Chance, meine Bilder in der russischen Metropole zu zeigen, und es ermöglichte mir ausserdem, diese ungewöhnliche Stadt mit meinem Skizzenbüchlein zu erkunden und erforschen. Ich zeichnete bei jedem Wetter, in der Stadt, an der Metro, am Strassenrand, im Park, überall dort wo ich stehen konnte.

Szenen und Situationen aus dem Grossstadtleben
Alles ist in Bewegung, und immer! Die Blechkolonnen wirr durcheinander, Massen von Menschen auf den Gehsteigen. Ein Ameisengewimmel als Herausforderung für die Zeichnende. Da die Moskauer sich kaum je an eine abgemachte Zeit halten, warten die schönsten Frauen länger als irgendwo sonst auf ihren Geliebten. Aber auch den Männern geht es nicht besser. Entweder man hat Zeit in Fülle, oder gar keine!
Die Häuserreihen fügen sich endlos aneinander, Kabel durchziehen das Bild, endlos in der Luft vernetzt. Ein Paradies für die Malerin auf der Suche nach Inspiration! Am Ende der vier Wochen hatte ich um die neunzig Zeichnungen, Postkartenformat, Bleistift auf Papier.

Die Arbeit im Atelier
Die Ausstellung im Zentralhaus der Künste war ein Erfolg und ein gutes Erlebnis. Zurück in Podevousy arbeitete ich in meinem Atelier weiter an den Motiven. So entstand im Winter 2009/10 eine Serie von 20 Moskauer Bildern, Öl auf Leinwand, Format 40 x 50 cm, nach den Zeichnungen und bleibenden Eindrücken aus Moskau.

Der Schriftsteller und die Malerin
Ideen denkt man nicht aus, man findet sie! Während unserer Streifzüge durch Moskau – Bohumil Fiala zeigte mir jede erdenkliche Ecke, damit ich einen Gesamteindruck bekam – erfuhr ich nach und nach etwas über seine Arbeit, sein literarisches Schaffen. Er verheimlicht es eher, als dass er sich dafür lobt. Doch sind von ihm zwei Fachbücher auf dem Markt, in Tschechisch und Englisch, ein drittes ist in Arbeit. Ausserdem drucken tschechische Zeitschriften seine Artikel über Moskau.
Da fanden wir die Idee: Warum nicht zusammen eine Broschüre über Moskau machen, er mit seinen treffenden, erlebten Texten und Berichten, ich mit meinen aus eigenem Erleben gewonnenen Bildern. Eine Zusammenarbeit zwischen dem Schriftsteller und der Malerin, „Moskauer Splitter“ sollte der Titel sein.

Von der Broschüre zum Buch
Wie die Idee sich formt, so beginnt sie auch zu wachsen. Bald zeigte sich, dass eine Broschüre als Form nicht reicht. Es wird ein Buch, und es wird dreisprachig, deutsch, tschechisch, russisch. Nun fragen Sie nach der Finanzierung? Keine Angst, unser Sponsor – typisch, nicht wahr? – ist der russische Vodka Stolichnaya.

Und ausserdem
Die „Moskauer Splitter“ sind möglicherweise der Anfang eines grösseren Projekts. Es ist verlockend, denn so wie wir die Stadt Moskau in Wort und Bild neu erkunden und auf unsere eigene Art neu erleben, so sollten wir es doch sicher auch mit anderen europäischen Städten tun.


D. Windlin
August 2010








Malen in Berlin

Ich melde mich aus Berlin zurück. Es war einfach genial – ausser dass ich zwei Wochen fast ununterbrochen gefroren habe. Der kalte Mai und die Unterkunft im Wohnwagen mitten in Berlin machten mir zu schaffen. Ich war auf Sommer eingestellt und hatte entsprechende Kleider dabei. Dazu einen dünnen Schlafsack bei durchschnittlich zwölf Grad. Richtig warm wurde es nur abends im Schlafsack, mit zwei Wolldecken und Storenstoff beschwert.

Die erste Woche verbrachte ich mit Erkundungstouren durch die verschiedenen Quartiere. Ich sammelte Eindrücke und liess die Stadt auf mich wirken. Die restliche Zeit habe gemalt was das Zeug hielt. Direkt in der Stadt, direkt vor dem Motiv. Auf dem Stühlchen sitzend, eingehüllt in so viel Kleider, dass ich mich noch gerade bewegen konnte.

In der kurzen, intensiven Arbeitsphase entstanden 21 kleinformatige Ölbilder aus verschie-denen Stadtwinkeln: Vom berühmten Alexanderplatz zum Bahnhof Mitte und der Gegend um den Fernsehturm. Neue und alte Architektur, frisch Renoviertes neben Abbruchliegenschaf-ten, alles nebeneinander. Passanten und Touristen zogen vorbei und knipsten Fotos, um eine typische Berliner Malerin in ihrer Sammlung zu haben. Sie schauten auf mein Bild, gaben einen kurzen Kommentar, lächelten und waren schon wieder weg.

Eine Begegnung brachte mich etwas aus der Fassung: Zwei kleine Mädchen auf Rollschuhen zogen an mir vorbei. An der nächsten Ecke steckten sie die Köpfe zusammen. Sie kamen zu mir zurück und streckten mir schüchtern eine Hand voll Kleingeld hin!

Wehmütig und schwer schleppend, dabei glücklich und mit der Gewissheit, irgendwann zu-rückzukehren, verliess ich nach zwei intensiven Wochen diese herrliche Stadt mit ihren vie-len verschiedenen Gesichtern.


D. Windlin
Ende Mai 2010